Freitag, 4. Dezember 2020
Portfolio minimieren
Apr 9

Erstellt von: Thomas Huber
09.04.2010 15:47 

Mitte März war ich im Rahmen des Forschungsprojekts Crossgeneration auf einer Tagung des DIN e.V. um eventuelle Standardisierungspotenziale zusammen mit anderen Forschungsprojekten im Bereich AAL zu erörtern. Eine der Fragen, die nach unserem Vortrag aufkamen war, wieso wir mit unserer Technologie auf mobile Applikationen (auf dem Gerät lokal installierte Applikationen) abzielen, wo doch Webapplikationen sehr viel schneller und plattformunabhängiger zu realisieren sind.
Meine Antwort darauf: Besonders im Umfeld des Gesundheitsmarktes sind zuverlässige, robuste Applikationen notwendig um den hohen qualitativen Ansprüchen gerecht zu werden. Man kann sich nicht darauf verlassen immer eine Verbindung mit dem Mobilfunknetz zu haben - auch wenn uns das die Mobilfunkbetreiber gerne glaubhaft machen wollen.
Mobilfunknetzbetreiber geben gerne die Netzabdeckung in Prozentzahlen gemessen an der Bevölkerung an. Dann kommen Zahlen wie, wir decken 98% der deutschen Bevölkerung ab. Damit geht man nicht auf die Fläche ein, die man tatsächlich abdeckt. Dünner besiedeltes Gebiet wird hier gerne mit weniger Mobilfunkmasten ausgestattet.
www.t-mobile.de/funkversorgung/inland/0,12418,15400-_,00.html
Ich finde diese Karte sehr gut, ich finde auch die Netzabdeckung sehr gut.
Im Rahmen von inprimo führten wir einen Feldtest beim Rennsteiglauf durch. Wir rüsteten sechs Läufer mit Bewegungs-, Köperkerntemperatursensorik, GPS, Pulsgurt und Mobiltelefonen aus. Während des Laufes wurden kontinuierlich Daten von den Läufern aufgezeichnet und bei Netzverfügbarkeit an eine Web-Plattform versendet. War kein Netz verfügbar wurde beim Nächsten einbuchen in das Mobilfunknetz die Daten in einem Stück an die Plattform versendet.

Es gibt weitere Gründe, wieso ein Pufferalgorithmus unumgänglich ist - in der U-Bahn oder Tiefgarage, wo dicke Bettonplatten die Funkverbindung unterbinden, oder in der Mitte von großen Gebäudekomplexen oder alte betonbewährte Messehallen. Ein weiterer Grund kann sein, dass die Netzinfrastruktur mit zu vielen Geräten belastet wird. Auf meinem ehemaligen Arbeitsweg nutzte ich die Münchner Flughafen-S-Bahn, die S8. Regelmäßig am Freitag Abend ereignete sich das selbe Szenario. Geschäftsleute/Projektleiter.... fuhren verstärkt am Freitag mit der S8 zum Flughafen, um nach Hause zu fliegen. Während der S-Bahnfahrt wurden noch schnell am Telefon Termine verabredet, Dinge für die nächste Woche per Telefon vorbereitet. Ich war derweil in der S-Bahn mit dem Smartphone auf Internetseiten unterwegs und immer Freitags das selbe Bild, alle Datenverbindungen wurden wegen zu hoher Auslastung des Netzes unterdrückt, nur noch Telefonate wurden zugelassen. Dazu muss auch gesagt werden, dass wir unsere Smartphones in der Regel mit GPRS und nicht UMTS betrieben haben um die Akkulaufzeit beim Exchange-Push nicht zu stark zu kürzen. UMTS-Zellen können deutlich mehr Telefone gleichzeitig bearbeiten, diesen technischen Fortschritt erkauft man sich aber mit einer beinahe halbierten Laufzeit des Endgeräts.

Sehr aktuell sind die Probleme, die AT&T im Moment in Ballungszentren zu spüren bekommt. AT&T als exklusiver Anbieter des iPhones in den USA musste massiv am Netzausbau und an den Interconnects zwischen den Netzmasten und der eigenen Infrastruktur arbeiten um die erhöhte Netzlast stemmen zu können:
online.wsj.com/article/SB10001424052702304739104575154072784198614.html
Des Weiteren wurde an der iPhone Firmware gearbeitet, um durch das Einbuchen in den Masten und beim Handover von Mast zu Mast einen möglichst geringen Overhead zu generieren. Generell weisen Smartphones oft mehr Bugs in der Funkeinheit auf, als gewöhnliche, günstigere Telefone. Das Google Nexus One leistete sich einen denkbar schlechten Marktstart, es hatte einen Bug in der Firmware der Funkeinheit:
www.ubergizmo.com/15/archives/2010/01/google_uncovers_nexus_one_3g_network_problems.html
Solche Dinge sind nicht die Ausnahme, sie werden nur selten öffentlich diskutiert, oft feilen Smartphone-Hersteller über Monate hinweg an der Firmware für die Funkeinheit. Speziell beim Handover während eines Telefonats trennt sich die Spreu vom Weizen und nicht wenige fallen durch.

Um noch einen kleinen Bogen zu spannen, beim Mobile Monday heisst es momentan "mobile App eats mobile Web". Betrachtet man die oben erwähnten Punkte findet man einen Argumentationspunkt (unter vielen), wieso diese Entwicklung nicht so überraschend ist.

spacer